Dekor Techniken

Postkarte Aus Bunzlau | 1900Ihr großes technisches Können bewiesen die Bunzlauer Töpfer schon früh, als sie gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Temperatur in den Brennöfen erhöhten und so den Produkten die Qualität von Steinzeug verliehen. Um 1830 gelang es dann dem Töpfermeister Johann Gottlieb Altmann, eine Lehmglasur ohne die gesundheitsschädlichen Bleianteile zu entwickeln, so daß sich Bunzlauer Geschirr den Ruf eines „Gesundheitsgeschirrs“ erwarb.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nutzten die Bunzlauer Töpfer mit der Schwämmeltechnik, bei der farbige Dekore mit kleinen Schwämmchen auf die Gefäße aufgestempelt werden, eine bis heute beliebte, ja für Bunzlauer „Dippel“ geradezu typische Dekorationstechnik für Küchen- und Tischgeschirr. Der Einfluß der Pariser Weltausstellung von 1900 auf das Kunsthandwerk und die Vorbildfunktion der Keramischen Fachschule in Bunzlau für die örtlichen Töpfereien motivierte die Handwerksbetriebe zur Produktion von Geschirr mit effektvollen Oberflächen – teils matt, teils verlaufen, teils mit kristallinen Strukturen. Der Aerograph, eine Spritzpistole für keramische Farben und Glasuren, erlaubte zudem moderne Spritzdekore mit feinsten Farbverläufen in industriell-technischem Verfahren.

KÜNSTLERISCHE ENTWICKLUNG DER DEKORE VOM 17. – 20. JAHRHUNDERT

• Reliefdekor ab Ende 18. Jahrhundert.

• aufgelegtes Dekor ab ca. 1750

• Kerbschnitt / durchbrochenes Dekor 17.- 19. Jahrhundert

• gemaltes Dekor 18.-20. Jahrhundert

• eingelegtes Dekor nach 1900 (Jugendstilzeit)

• Schwämmeldekor („Pfauenaugen“ Dekor) ab etwa 1850

• Spritzdekor (Auftrag erfolgt mittels Aerographen) ab ca. 1915

• Marmorierung (besonders im 18.-19. Jahrhundert

Die nachstehend beschriebenen Dekortechniken waren dominierend. Aufwändige Methoden wie Reliefdekor oder aufgelegter Dekor haben zwar hohen künstlerischen Stellenwert, waren aber wenig verbreitet und sind daher hier zu vernachlässigen.

Lehmglasur

Bunzlauer Lehmglasur Krug | 1728
Bunzlauer Lehmglasur Krug | 1728

Die Lehmglasur war die älteste Technik; sie wurde – zumindest für Vorratsgefäße – bis 1945 durchgängig verwandt. Sie gibt einen kräftigen Braunton, der durch besonderen Glanz auffällt. 1936 belebte die Keramische Fachschule Bunzlau die Lehmglasur unter dem Namen Aktion Bunzlauer Braunzeug wieder, um unter nationalsozialistischem Einfluss die alten Handwerkstraditionen zu fördern. Das daraus hervorgehende, mit weißen Tonapplikationen dekorierte Tischgeschirr hatte großen Erfolg, bis die Produktion zu Beginn des Krieges eingestellt wurde. Eine strengflüssige weiße Glasur oder eine leichtschmelzende weiße Engobe wurde dazu auf die rohe Lehmglasuroberfläche aufgemalt und verschmolz mit dieser leicht. Diese Technik führte zu weichen, leicht unscharfen Konturen der Dekore.

Schwämmeldekor | „Pfauenaugen“ Dekor

Paul & Sohn | Terrine
Paul & Sohn | Terrine

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts setzte sich vorzugsweise für Tisch- und Haushaltsgeschirr zunehmend das Schwämmeldekor (auch Schwammdekor) durch. Dazu werden mit passend geschnittenen Schwämmchen – dem Elefantenohrschwamm – kleine farbige Ornamente aufgestempelt. Sehr beliebt waren konzentrische Tupfer in unterschiedlicher Farbe, die Pfauenaugen, die durch Engobe-, seltener durch Pinselmalerei ergänzt wurden.

Spritzdekor

Spritzdekor wurde erst mit der Entwicklung elastisch anliegender Schablonen in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts in Bunzlau als Dekortechnik erfolgreich. Die Hinwendung zur „Neuen Sachlichkeit“ in der industriellen Produktion förderte die Verwendung der Spritztechnik, die überdies mit dem Aufkommen des Art Déco Stils an Beliebtheit gewann.

Paul & Sohn | Feinsteinzeug Teller Set | Spritzdekor 16

„Die mit Hilfe einer Spritzpistole (Aerograph) und Schablonen aus Zinn, Kupfer oder Blei aufgetragenen Muster erlebten in den 20er Jahren eine kurze, aber gewaltige Blütezeit, nachdem in der Fachhochschule Bunzlau 1927/28 erstmals derartig hergestellte Dekore auf Vasen, Kannen und Töpfen vorgestellt wurden.

Neu waren dabei allerdings nicht die technischen Hilfsmittel an sich, die bereits um 1900 im Jugendstil zum Einsatz gekommen waren. Das Aufregend-Innovative waren die gegenstandslosen Musterkombinationen, die eindeutig von der modernen Kunst, von Kubismus und Konstruktivismus, beeinflusst waren.

Revolutionär, extravagant und erfrischend farbenfroh kamen sie daher – die gespritzten geometrischen Dekore, die sich simpler Grundformen wie Recht- und Dreieck, Quadrat, Kreis oder Linie bedienten und durch das Überlappen von scharfen Kanten und verlaufenden Fonds reizvolle Kontraste schufen. Die Dekorelemente konnten monochrom oder farblich verschieden schattiert aufgetragen werden und überzeugten in ihrer raffiniert übereinander gelagerten Anordnung durch eine erstaunlich optische Plastizität. Die Liste der Hersteller, die in den nächsten Jahren dem Beispiel Bunzlau folgten, ist lang und reicht von Branchenführern wie Villeroy&Boch, Wächtersbach oder der Carstens Gruppe zu Hersteller von Steingutgeschirren wie Annaburg, Colditz oder Theodor Paetsch, die dem heutigen Sammler erst durch diese Kreationen richtig geläufig wurden.

Im Laufe der 30er-Jahre flachten die Dekore mehr und mehr ab, die pure Geometrie wich der gefälligen Abstrahierung traditioneller Blüten- und Rankenmotive – der „neue Zeitgeist“ des Dritten Reichs wurde so auch im Geschirrregal sichtbar.“

Quelle: Karl Ruisinger – Trödler Journal 02/2011

Engobemalerei

Aktion Bunzlauer Braunzeug | Kanne BB 119
Aktion Bunzlauer Braunzeug | Kanne BB 119

Als Engobenmalerei, Schlickermalerei oder Malhorndekor wird ein dekorativer Schlickerauftrag mit einem Pinsel oder einem Malhörnchen bezeichnet. Dieser kann, je nach Stärke der aufgetragenen Schicht, entweder auf den lederharten oder ungebrannten, trockenen Ton oder bei sehr dünnflüssigem Auftrag gegebenenfalls auch auf den geschrühten Scherben erfolgen. Engoben halten wesentlich besser, wenn man sie auf lederharten oder trockenen ungebrannten Ton aufträgt. Dick aufgetragene Engobe auf geschrühtem Scherben bildet einen eigenen Körper, der sich beim Trocknen mit der Schwindung zusammenzieht und deshalb vom bereits geschwundenen, geschrühten Scherben abblättert. Nach dem Trocknen wird die Engobe im Brand mit dem Scherben verbunden.

Ist die Tonmasse besonders fein aufbereitet und die Oberfläche über einer weißen Engobe mit anderen Farben als den traditionellenErdfarben bemalt, so sprechen wir von Fayence oder Majolika. Fayence und Majolika wurden vor allem in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hergestellt. Durch die verschiedenen Techniken der Jugendstiltöpfer ist die Grenze zwischen Irdenware, Fayence und Majolika fließend. Als Sinterengobe wird eine Kombination aus färbenden und glasierenden Elementen (Metalloxide oder Farbkörper) bezeichnet, sie ist Engobe und Glasur in einem und hat eine leicht glänzende Oberfläche.

Pinselmalerei

Reinhold & Co. | Likörflasche
Reinhold & Co. | Likörflasche

Hier war die Malflüssigkeit dünner in der Konsistenz, die mit einem Pinsel aufgetragenen Ornamente sind flächiger; häufig finden sich Motive aus der Pflanzenwelt.

Marmorierung

Auf die mit einer frischen Grundengobe bedeckten Gefäße wurde mittels Gießbüchse oder mit Hilfe von einzelnen Tierhaaren eine andersfarbige Engobe gleicher Konsistenz aufgetragen und danach durch schüttelnde oder schwenkende Bewegungen entsprechende Farbverläufe erzeugt. Bei einer anderen Technik wurden einem Behältnis mit der Grundengobe oberflächlich kleine andersfarbige Engoben aufgetropft und danach das zu dekorierende Gefäß schnell mit einer Drehbewegung eingetaucht.

Laufglasur

Detail
Detail

Glasuren, die während des Brennens -laufen-, d. h. fließen. Sie sind leichtflüssig und werden meist am oberen Rand des Gefäßes über einer zähen Grundglasur so aufgetragen, daß sie während des Brennens weit in die Grundglasur ablaufen und sich mit dieser vermischen. Die Glasur wurde bei dieser Technik mehrfarbig als schablonenloses Spritzdekor oder mittels Pinsel aufgetragen. Die Viskosität der Glasur und ein Brennvorgang bei erhöhter Temperatur führen zu einem typischen Verlauf des Dekors von oft überraschender Schönheit.

Eine Laufglasur setzt sich in der Regel aus einer leichtflüssigen Fritte und etwas Kaolin sowie dem entsprechenden Farboxid zusammen. Die Überläufe bei z.B. Scharvogel und Mutz sind daher hell gefärbt bis weiß.

Reineking von Bock: Keramik des Zwanzigsten Jahrhunderts. Keyser Verlag, München 1979, Seite 40

Quellen:

wikipedia.org | antikhaus-leonhardt.de

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