Haël-Keramik 1923 – 1933 | Keramik Museum Berlin

Hael Bodenvase
Hael Bodenvase

Vor zwanzig Jahren präsentierte das Keramik-Museum Berlin in seiner ersten und vielbeachteten Ausstellung „Berlin und Brandenburg – Keramik der 20er und 30er Jahre“ (in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Museum im Berliner Zeughaus gezeigt) auch Arbeiten der HAEL-Werkstätten von Grete Heymann-Loebenstein und dokumentierte in der gleichnamigen Begleitpublikation die Geschichte des Betriebes.

Nach einem Vorkurs bei Johannes Itten am Bauhaus, wurde Grete Heymann 1921 zu einem weiteren Probesemester – nun in der keramischen Werkstatt des Bauhauses in Dornburg – zugelassen und besuchte Lehrveranstaltungen von Paul Klee, Georg Muche und Gertrud Grunow in Weimar. Nach einer kurzzeitigen künstlerischen Mitarbeit im Veltener Werk der Steingutfabriken Velten-Vordamm pachtete sie 1923 – auf dem Höhepunkt der Inflation – zunächst mit ihrem Ehemann Gustav Loebenstein eine zuvor für die Produktion von Blumentöpfen genutzte Ofenfabrik in Marwitz und gründete die HAEL-Werkstätten für künstlerische Keramik. 1926 konnten schließlich das Grundstück und die Fabrikgebäude erworben werden. Man produzierte nach Form- und Dekorentwürfen der Künstlerin sehr farbenfrohe und zeittypische, qualitätvolle Steingutgefäße, die später auch im Ausland viele Abnehmer fanden. Das Spektrum der Dekore reicht von zarten graphischen bis hin zu kräftigenfreien Pinseldekoren (inspiriert durch den Bauhaus-Vorkurs).

Sonderausstellung in Berlin | Haël-Keramik 1923 – 1933
15. Juni – 22. November 2012 | Fr – Mo 13 – 17 Uhr

Keramik-Museum Berlin
Schustehrusstr. 13 | 10585 Berlin-Charlottenburg

Hael Keramiken
Hael Keramiken | 1920er Jahre

Gegen Ende der 1920er Jahre entstehenauch vermehrt experimentelle Formen mitunter mit intensiv leuchtenden monochromen Glasuren, oft durch einen dunkleren, andersfarbigen Rand unterstrichen. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise wie auch die Machtergreifung der Nationalsozialisten ließen Grete Heymann-Loebenstein als Jüdin jedoch keine Chance, die Arbeit ihrer Manufaktur fortzusetzen – sie schloss ihre Firma nach nur zehn Jahren am 1. Juli 1933.

1934 erwarb die 26-jährige Hedwig Bollhagen gemeinsam mit dem Handwerkspolitiker Dr. Heinrich Schild den Betrieb nach mehrmonatigen Verhandlungen auf. In einem antisemitischen, diffamierenden Artikel, im Mai 1935 in der Gauzeitungder Berliner NSDAP „Der Angriff“ veröffentlicht, wurden HAEL-Produkte unter anderem als entartete Formempfindungen bezeichnet. Ende 1936 emigrierte Margarete Heymann-Loebenstein (später verheiratete Marks) nach England, arbeitete weiterhin als Keramikerin und wandte sich später der Malerei zu. Die Steingut-Objekte aus den HAEL-Werkstätten zählen heute zu den begehrtesten kunsthandwerklichen Gegenständen des Art-Déco in Deutschland und befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen. Das Keramikmuseum zeigt in seiner Kabinettausstellung rund 50 Arbeiten aus eigenem Bestand sowie Leihgaben als Ergänzung.

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